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 "Mit Fricsay auf Reisen "                                                                                        

 Es ist ideal, wenn Solist und Dirigent in einer Reihe von Konzerten zusammenwirken, wenn sie zum Beispiel eine Reise zusammen unternehmen, bei der genügend Zeit bleibt, um zu erfahren, was der andere will, und so ihre Gemeinsamkeit herausfinden. Dieses Glück hatte ich mit Ferenc Fricsay. Die Reise im Frühling 1961 durch Deutschland, nach Kopenhagen, London und Paris wird mir sowohl als inspirierende wie auch bewegende musikalische und menschliche Erfahrung im Gedächtnis bleiben. Wir errreichten nicht nur vollkommene Übereinstimmung unserer Meinungen bei den Werken, die ich spielte, sondern ich lernte darüber hinaus die ungewöhnliche Art genau kennen, in der Fricsay jede andere Partitur umsetzte. Jedes Werk erlebte er in menschlicher Ergriffenheit, mit ihren Augenblicken voller Zusammenbrüche und Erhellungen, voller Freude und Leid: Alles verflocht er in seiner Fantasie zu allerfeinster Einheit im Fluss der Musik. Mir schien, er brauchte in seinem Leben keine andere Literatur, in so literarisch-dramatischen Sinn erlebte er die Musik.

Als er einmal über Dvoraks Sinfonie "Aus der Neuen Welt" sprach, beschrieb er die Vision der in New York ankommenden Einwanderer, wie sie sich dem verheissenen Land nähern und wie nach ihrer Verzweiflung und ihrer erschütternden Erfahrungen, verheissungsvolle Hoffnungschimmer auftauchen. Ich spürte, wie mächtig diese alles dramatisierende Fähigkeit seiner Interpretation auf Zuhörer einwirkte. Nur wenn die Musik, die er erweckte, der Lebhaftigkeit und den Tönungen seiner geistigen Vorstellung entsprach, beruhigte sich seine Erregung, und nur dann zündeten jene elektrischen Funken, die er mitten in den Herzen seiner Hörer auslöste, so wie es Musik alleine vermag. Kein Wunder, dass er ein so hervorragender Operndirigent war, erfasste er doch alle Musik vom Dramatischen her.

Diese Erinnerungen gehören zu den glücklichsten Augenblicken meines musikalischen Lebens.


                                                                                                               Sir Yehudi Menuhin

Hörprobe  "Tchaikovsky Violinkonzert D-dur"

                                         

        

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